Flagge, Stacheldraht & Kamera
Während Venjamin Viktorowitsch der deutschen Gruppe die Orte zeigt,
an denen früher Lagerbaracken und Strafgefängnisse standen und heute
Familien wohnen und Kinder spielen, ist eine Abordnung von "Memorial"
Kiew in den umliegenden Wäldern auf der Suche nach einem geeigneten Stock
für die ukrainische Flagge, die zusammen mit einem Trauerflor sorgfältig
in einer Tüte mit Werbung vom Charkower Kombinat "Plasmass" aufbewahrt
wird. Wassil Ovsijenko trägt sie gemeinsam mit einem Beutel Erde sowie
einem kleinen Vorrat an Bienenwachskerzen aus der Heimat mit sich. Er selbst
hat noch bis 1988 als politischer Häftling in dem im Ural gelegenen Lager
Perm 36 gesessen. Zum zweiten Mal kommt er schon zum Gedenktag nach Medwezhegorsk,
um die ermordeten ukrainischen Schriftsteller, Theaterregisseure, Schauspieler,
Staatsmänner und Priester zu ehren, die in Sandarmoch erschossen wurden.
In diesem Jahr begleitet ihn ein Team vom Staatlichen Ukrainischen Fernsehen,
das von nun an auf der Suche nach GULag-Bildern ist. So filmen sie auch die
nach dem Zweiten Weltkrieg errichtete, hinter der Stadt gelegene Strafvollzugsklinik,
in der kranke Häftlinge aus ganz Karelien untergebracht sind. Stacheldraht
und ein Holzzaun die Bilder wirken authentisch.