Pfade - Grodno

F¸nf Sprachen

Hirsz Hassid ist einer der wenigen Bürger der untergegangen Stadt Grodno, die heute noch in Hrodna leben. Zu Hause in der Kate am Ufer der Memel sprach er mit seinen Eltern nur Jiddisch. Die Straßen waren in polnischer Sprache beschildert, auf dem Amt wurde Polnisch gesprochen.

Die Hiesigen

Grodno klingt sowjetisch: Die Trolleybusse rattern hier, zwanzig Kilometer von der polnischen Grenze entfernt, wie früher in der Sowjetunion. Die Jugendlichen im Park hören die gleichen Lieder wie die Rocker in Moskau, Kasan oder Novosibirsk. Lenin weist auch hier noch stumm vom Sockel den rechten Weg. Aus dem Radio schallen die demagogischen Ansprachen des Präsidenten. Die weißrussische Stadt spricht russisch.

Süßer Wodka ist bitter

"Bitte wundern sie sich über nichts", schallt es über den Gang des 4-Sterne-Busses. Ein Möbelfabrikant aus Polen versucht seine Mitreisenden vom anderen Ufer der Oder aufzuheitern. Fehlanzeige: die Deutschen sitzen voller Zurückhaltung auf ihren Plätzen. Doch ihr Gegenüber mit Schnauzer und dunklen Brillengläsern gibt noch nicht auf.

Urteil

Weißrussland? Was willst Du denn da? Das ist doch das traurigste Stück Land auf Erden. Ein Volk von Unterworfenen, die gar nicht spüren, dass sie unterworfen wurden, die selbst den Wunsch nach Freiheit verloren haben. Ich glaube, es gibt farbigere Flecken auf dieser Erde. (Vernommen in einer Kneipe im deutsch-polnischen Grenzgebiet)

Multikulti oder Pseudovielfalt?

Wir machten wir uns auf den Weg nach Grodno, die alte Stadt im litauisch-polnisch-weißrussischen Grenzgebiet, um uns selbst ein Bild von der Welt hinter der neuen EU-Außengrenze zu verschaffen. Die Fahrt zum "Festival der nationalen Kulturen" gab Anlass zum Nachdenken und -fragen über die Gegenwart, aber auch über die Vergangenheit. Auf den folgenden Seiten finden Sie die Ergebnisse.

Weitere Texte vom Ufer der Memel: www.belarusnews.de