Pfade - Grodno

2010 erschien im Harrassowitz-Verlag Wiesbaden meine Studie zum Untergang des Ostens der Polnischen Republik und der Entstehung einer weißrussischen Stadt: "Palimpsest Grodno. Nationalisierung, Nivellierung und Sowjetisierung einer mitteleuropäischen Stadt. 1919-1991."

Überblick: Inhaltsverzeichnis
Einblick: Die Gegenwart der Vergangenheit
Ausblick:Die Zukunft der Verangenheit
Download des gesamten Buchs: Palimpsest Grodno

Alt und neu

Im Eingangsbereich der Synagoge steht ein Sofa für die Frauen, dahinter ist ein winziger Raum hergerichtet für die fünfzehn Männer, die zum Beten kommen. Eine Frau im Kopftuch fegt den Platz zwischen Synagoge und Parkplatz. Als ich sie grüße, bleibt sie stehen, guckt mich prüfend an und fragt, woher ich komme: Lesen Sie die Bibel!

Fünf Sprachen

Hirsz Hassid ist einer der wenigen Bürger der untergegangen Stadt Grodno, die heute noch in Hrodna leben. Zu Hause in der Kate am Ufer der Memel sprach er mit seinen Eltern nur Jiddisch. Die Straßen waren in polnischer Sprache beschildert, auf dem Amt wurde Polnisch gesprochen.

Die Hiesigen

Grodno klingt sowjetisch: Die Trolleybusse rattern hier, zwanzig Kilometer von der polnischen Grenze entfernt, wie früher in der Sowjetunion. Die Jugendlichen im Park hören die gleichen Lieder wie die Rocker in Moskau, Kasan oder Novosibirsk. Lenin weist auch hier noch stumm vom Sockel den rechten Weg. Aus dem Radio schallen die demagogischen Ansprachen des Präsidenten. Die weißrussische Stadt spricht russisch.

Urteil

Weißrussland? Was willst Du denn da? Das ist doch das traurigste Stück Land auf Erden. Ein Volk von Unterworfenen, die gar nicht spüren, dass sie unterworfen wurden, die selbst den Wunsch nach Freiheit verloren haben. Ich glaube, es gibt farbigere Flecken auf dieser Erde. (Vernommen in einer Kneipe im deutsch-polnischen Grenzgebiet)

Multikulti oder Pseudovielfalt?

Wir machten wir uns auf den Weg nach Grodno, die alte Stadt im litauisch-polnisch-weißrussischen Grenzgebiet, um uns selbst ein Bild von der Welt hinter der neuen EU-Außengrenze zu verschaffen. Die Fahrt zum "Festival der nationalen Kulturen" gab Anlass zum Nachdenken und -fragen über die Gegenwart, aber auch über die Vergangenheit. Auf den folgenden Seiten finden Sie die Ergebnisse.

Ein weiterer Text üder Grodno: Palimpsest an der Memel