Ende und Anfang: der Krieg
Terra Transoderana hieß das Land hinter der Oder in
mittelalterlichen Urkunden. Zuvor hatten slawische Fürsten in
Lebus am linken Ufer ein Bistum gegründet, um weiter nach Westen
zu dringen. Für die brandenburgischen Markgrafen war es immer die
Neumark – die Ländereien, welche sie zuletzt erwarben. Als im
Frühjahr 1945 die deutschen Bewohner vor der Front
flüchteten, existierte die Neumark noch. Die Kirchen,
Marktplätze und Handelshöfe von Küstrin, Landsberg,
Drossen und Crossen zeugten von ihrer eng mit Brandenburg und
Preußen verwobenen Geschichte. Sie gingen in den letzten Tagen
des Krieges in Flammen auf. Egal ob Plünderer, aus den Lagern und
von der Zwangsarbeit zurückkehrende Polen oder sowjetische
Soldaten die Brände stifteten – die meisten Deutschen hatten ihre
Häuser bereits verlassen, sie retteten nur noch ihre eigene Haut.
Die Städte gingen unter, bevor die neuen Bewohner ankamen.
Jene polnischen Pioniere, die dem Mythos der wiedergewonnenen Gebiete
in den Westen folgten, begründeten die Ziemia Lubuska. Zwischen
diesem Lebuser Land und der Neumark bestand keine Verbindung mehr, seit
im Sommer 1945 die verbliebenen Deutschen vertrieben wurden. Noch heute
zeugen die Freiflächen der ausbrannten Innenstädte von jenem
Bruch. Sein Sinnbild sind die von Sträuchern und Unkraut
überwucherten gepflasterten Straßen, einstürzenden
Kellergewölbe und abgebrochenen Hauseingänge der einstigen
Altstadt Küstrins. Was nicht in den Kämpfen um den
Oderübertritt verbrannte, wurde abgetragen und der Legende nach
zum Wiederaufbau nach Warschau transportiert. Die Stadt Kostrzyn wurde
abseits der alten Festung gegründet.
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