Pfade - Europa - Frühling

Frühling in London

Während im Irak britische und amerikanische Truppen mit der Unterstützung einer polnischen Eliteeinheit auf Bagdad marschierten und im Radio eine ganze Armee von Reportern über das Stocken an allen Fronten berichtete, saßen Wanja und ich Garten hinter dem Haus und tranken Kaffee. Er war gerade aus Kanada gekommen, wo er einen Film über zwei Russlanddeutsche, die die Welt erobern, gedreht hatte. Die Hockeyjacke hatte er seit dem nicht abgelegt. Es bleibt offen, ob es sich um ein Souvenir von einem Ausflug in eine Gesellschaft des Vergessens handelt. Oder doch um eine seitenverkehrte Erinnerung an die Kindheit in der Sowjetunion. An die Hockeynachmittage mit dem Vater vor dem Fernseher in einem Dorf in der kasachischen Steppe. Plötzlich hörte er auf vom Hockey zu erzählen. Stattdessen stellte er sich vor, was passierte, wenn wir von einem weltweiten Krieg überrascht in das georgianische Haus flüchten müßten, und in Wochen der Ungewissheit mit den britischen und amerikanischen Mitbewohnern auskommen müßten, die schmalen Vorräte an Wasser und Konserven teilend, in der Enge der eigenen Unzulänglichkeit gefangen. Vor unser beider Augen erschien Tarkowskis Regisseur, der sein Haus auf der einsamen Insel im Norden verläßt und beschließt ein Opfer zu erbringen, um das Ende der Welt ungeschehen zu machen. Er zündet das Haus an und verläßt seine Familie. Wir kehrten zurück in die Küche, wuschen das Geschirr und fuhren in die Stadt.