Pfade - Europa - Frühling

Frühling in Berlin

In 50 Minuten vom Winterfeldplatz bis zum Treptower Park. Zwischendurch noch Passfotos machen und in einer Dresdener Bank 115 Euro auf das Konto der Botschaft überweisen. Ein Eilvisum nach Weißrussland. Soeben habe ich die Einladung von der polnischen Minderheit in Grodno per Fax erhalten. Mit zwei Wollmäntel n auf einen kontinentalen Winter eingestellt und mit einer Tasche mit allen Utensilien für eine lange Reise über der Schulter, mache ich mich auf den Weg zur U-Bahn. Am Alex finde ich sogleich einen Passbildautomaten. Von dort mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof, wo es eine Filiale der Dresdner Bank gibt. In Treptow weigert sich der Taxifahrer, den Kilometer mit dem Auto zu fahren. So erreiche ich die Botschaft in letzter Minute zu fuß. Sie ist einer Gründerzeitvilla direkt vor dem Ehrenmahl des Sowjetischen Soldaten untergebracht. Davor einer dieser Berliner Plastikbären - bemalt mit einer weißrussischen und einer EU-Flagge - beide ineinander verschlungen. In der Konsularabteilung werde ich freundlich abgefertigt. Die Einladung in polnischer Sprache wird akzeptiert, ich kann morgen wiederkommen. Auf die Frage nach einer Toilette, sagt man mir: hier nicht, gehen sie in den Park. Dort steht eine grüne Citytoilette. Ich muß lachen, da ich wirklich geglaubt hatte, dass ich in den Park gehen soll. Dort werden gerade die knienden Soldaten am Eingang zum Ehrenmahl saniert. Sie stehen inmitten von Bauschutt, Sandhaufen und neu polierten Granitplatten. Dahinter der übermenschliche sowjetische Soldat mit dem Kind in der einen und einem Schwert in der anderen Hand. Der Park liegt friedlich im Sonnenlicht.