Litauer - Report

Offizieller Boykott und trotzdem dabei

Die Litauer, die auf dem weißrussischen Gebiet leben, haben mit ausgeprägtem Nationalbewusstsein immer wieder auf sich aufmerksam gemacht und sich über die Diskriminierung und Unterdrückung ihrer Sprache und Kultur beschwert. Da jedoch durch Emigration und Assimilierung die Zahl der in Weißrussland lebenden Litauer weiter zurückgegangen ist, wird die litauische Frage heute von der polnischen überlagert.

Innerhalb Weißrusslands haben sich die Litauer in der "Community of Belorussian Lithuanians" organisiert. Dieser Verein erhält aus den Staatsfinanzen Gelder, um beispielsweise durch Schulunterricht und Sprachunterricht oder gemeinsame Treffen und Veranstaltungen die litauische Sprache und Kultur zu erhalten. Sie unterhält eine Sonntagsschule, in der Schüler in ihrer Freizeit litauisch lernen können, fördert litauische Bibliotheken in Schulen und veröffentlicht eine litauische Zeitung. Örtliche Verbände litauischer Minderheiten gibt es in Grodno, Lida, Braslava und Minsk.

Über die Anzahl der in Weißrussland lebenden Litauer gibt es unterschiedliche Angaben, ganz abhängig davon, ob die Zahlen von der Seite der Regierung oder der litauischen Minderheit selbst veröffentlicht werden. Von öffentlicher Seite aus, wurde 1999 die Anzahl der Litauer mit 6387 angegeben. Die Vorsitzende des Litauischen Zentrums für Kultur – Virginia Tarnovskaite – hingegen sprach von über 18000 in Weißrussland lebenden Litauern. Mehr als 3000 Litauer leben in der Region um Grodno.

Am Festumzug des "Festival der nationalen Kulturen" hat die litauische Minderheit offiziell nicht teilgenommen, um damit ihre Verärgerung über das Verbot, dem Jahrestag der Schlacht von Tannenberg öffentlich nicht gedenken zu dürfen. Hierzu ein Zitat des Vorstandes der Litauischen Vereinigung in Grodno.

Weitere Beobachtungen aus Grodno: Vom Ufer der Memel